In manchen Lebensphasen zeigen sich Depressionen in ganz speziellen Formen. Eine Depression im Alter zeigt sich anders als bei einer Frau nach der Geburt eines Babys. Auch beim Geschlecht gibt es Unterschiede: Eine Depression hat bei Männern oft andere Anzeichen als bei Frauen.

 

Depressionen bei Männern haben oftmals eigene Anzeichen

Männern fällt es manchmal schwer, über Gefühle oder ihre Depression zu sprechen. Die Rolle des starken Mannes legen viele nur schwer ab. Sie verdrängen Gefühle von Trauer, Angst und Traurigkeit. Diese zeigen sich dann auf eine andere Art und Weise.

So zeigt sich eine Depression bei Männern:

  • Unruhe und Unzufriedenheit
  • Feindseligkeit
  • Wutausbrüche, die überraschend und untypisch sind
  • Vermehrtes Risiko-Verhalten wie: gefährliche Sportarten, schnelles Autofahren
  • Flucht vor der Wirklichkeit wie: dauernd Fernsehen oder Hobbys, die viel Zeit brauchen
  • Alkohol trinken, um sich zu betäuben und um nichts mehr zu empfinden

Es müssen nicht immer alle Anzeichen vorkommen. Die Anzeichen häufen und zeigen sich schon über einen längeren Zeitraum? Dann lass dir bitte helfen.

Alkohol macht eine Depression nur noch schlimmer

Ein Krügel Bier oder ein Achtel Wein gehören in Österreich oft zum geselligen Leben dazu. Manche betäuben aber mit Alkohol unangenehme Gefühle oder Schmerzen. Daher wird Alkohol oft als Hausmittel gegen Depressionen gesehen. Aber Alkohol löst keine Probleme, er ist kein Mittel gegen eine Depression.

Beantworte bitte diese Fragen ehrlich:
❏ Trinke ich, um mich besser zu fühlen?
❏ Trinke ich, um zu vergessen?
❏ Trinke ich, um locker zu werden?
❏ Trinke ich, um zu entspannen?
Du hast mehrere Fragen mit Ja beantwortet? Das ist schon länger so? Dann rede bitte mit deinem Arzt.

Depressionen im Alter sind wegen der Begleitumstände schwerer zu erkennen

Depressionen werden im Alter häufiger. Die Krankheit ist bei älteren Menschen aber schwieriger zu bemerken. Manche leben zurückgezogen oder sind einsam. Das Essverhalten und der Schlaf ändern sich mit den Jahren. Dazu kommen körperliche Krankheiten und Schmerzen. All das macht es schwer, eine Depression zu erkennen. Oft wird eine Depression mit Trauer verwechselt oder die Anzeichen werden dem Alter zugeschrieben. Depressionen sind jedoch keine natürliche Alterserscheinung.

Depression und Demenz sind schwer von einander zu unterscheiden1

Depressionen kommen bei älteren Menschen häufiger vor als bei jungen Menschen. Der Arzt muss trotzdem abklären, ob der Patient nicht eine andere Erkrankung hat. Probleme mit der Konzentration, der Erinnerung und Aufmerksamkeit können auch Anzeichen einer Demenz sein. Demenz ist eine Krankheit im Gehirn, bei der einige Anzeichen ähnlich sind wie bei einer Depression. Eine Depression soll daher immer vom Psychiater festgestellt und behandelt werden.

Rechtzeitige Behandlung ist bei Männern besonders wichtig
Depressionen zu erkennen und entsprechend zu behandeln ist bei Männern auch wegen des Themas Suizid besonders wichtig. Suizid bedeutet, sich selbst das Leben zu nehmen. Rund drei Viertel aller Suizide verüben Männer. Das hat verschiedene Gründe. Wichtige Punkte sind:
  1. Männern fällt es schwerer als Frauen, über Gefühle zu reden und Hilfe anzunehmen.
  2. Eine Depression zeigt sich bei Männern anders. Deswegen wird die Krankheit oft spät erkannt und behandelt.
  3. Der mit einer Depression oft einhergehende Leistungseinbruch kann für Männer als besonders belastend empfunden werden.
Daher ist es wichtig, die Anzeichen einer Depression bei Männern früh zu bemerken und zu behandeln. Noch mehr Informationen zum Thema Suizid und über Warnzeichen findest du unter „Hilfe im Notfall“.

Depressionen sind im Alter häufiger
Mit dem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, depressiv zu werden. Das zeigen Studien3 für das Alter von 55 bis 74 Jahren. Konkret sind 7,5 Prozent der Frauen und 5,5 Prozent der Männer betroffen. Insgesamt leiden rund 13,5 % der älteren Menschen an behandlungsbedürftiger Depression.4
Auch Suizide sind im Alter häufiger. Deshalb ist es so wichtig, eine Depression rasch zu erkennen und ernst zu nehmen. Besonders ältere Männer setzen ihrem Leben öfter ein Ende. Wichtige Informationen zum Thema Suizid findest du unter „Hilfe im Notfall“.
Geduld und Verständnis bewähren sich
Es fällt niemandem leicht, offen über Gefühle zu reden. Gerade als Angehöriger will man für den Betroffenen da sein. Geduld und Verständnis helfen immer. Wer sich nicht öffnet, kann es zu dem Zeitpunkt vielleicht einfach noch nicht. Das liegt sehr häufig aber nicht an fehlendem Vertrauen. Zeige einfach weiterhin, dass du an der Seite des Betroffenen bist.
Diese Sätze helfen:
  • „Keine Sorge, ich bin für dich da.“
  • „Ich höre dir gerne zu.“
  • „Du bist nicht alleine.“
Die Sicht von Angehörigen ist für den Arzt sehr wichtig und hilfreich
Ärzte und Therapeuten brauchen bei älteren Menschen die Sicht der Angehörigen. Am besten, du begleitest deinen Angehörigen zum Arzt und berichtest über alle Änderungen in seinem Verhalten. So kann sich der Arzt ein gutes Bild vom Patienten machen.

 

Die Hormone nach der Geburt können eine Depression auslösen

Bei manchen Müttern entsteht nach der Geburt ihres Babys eine Depression. Das Fachwort dafür ist: postpartale Depression. Nach der Geburt können die Gefühle einer Achterbahnfahrt gleichen: Aufregung, Freude, Angst und Sorge wechseln einander ab. Das kann eine natürliche Antwort auf die neue Situation sein.

Die Hormone stellen sich um, sobald das Kind auf der Welt ist. Durch diese Umstellung kann eine Depression ausgelöst oder begünstigt werden. Traurigkeit, Sorgen und Angst überwiegen dann. In diesem Fall ist es wichtig, genau hinzusehen.

Zusätzlich spüren viele Mütter einen hohen Druck durch die Erwartungen von ihrem Umfeld. Das kann Anzeichen einer postpartalen Depression verstärken und zu Gefühlen von Schuld führen. Viele schämen sich dann und reden nicht darüber. Das macht aber alles nur noch schlimmer.

So zeigt sich eine postpartale Depression

Bei jeder Betroffenen zeigen sich die Anzeichen auf eine eigene Art und Weise. Solche Gedanken können Mütter nach der Geburt ihres Babys beschäftigen:

  • Ich bin nur mehr traurig, dabei sollte ich mich doch eigentlich freuen.
  • Ich mache mir dauernd Sorgen, ob es meinem Baby gut geht.
  • Ich empfinde momentan ganz wenig. Ich fühle mich deswegen schuldig.
  • Ich habe Angst, meinem Baby zu schaden.

Gehe bitte zum Arzt, wenn diese Aussagen zutreffen. Ganz besonders gilt das, wenn du das Bedürfnis hast, dem Baby zu schaden. Der Arzt kann dir helfen.

 

Eine postpartale Depression ist schwer zu verstehen
Eine Depression nach der Geburt beschäftigt die ganze Familie und den Freundeskreis. Viele Menschen können nur schwer verstehen, warum sich plötzlich die Stimmung einer Mutter so ändert. Die Umstellung der Hormone hat die Depression ausgelöst, nicht das Baby oder das Kümmern um das Baby. Es ist niemand daran schuld.
 

 

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1 Kasper S, Lehofer M, Doering S, Geretsegger C, Frey R, Haring C, Hausmann A, Hofmann P, Jelem H, Kalousek M, Kapfhammer HP, Klier C,
Oberlerchner H, Rados C, Rothenhäusler HB, Sachs GM, Praschak-Rieder N, Psota G, Rainer M, Windhager E, Winkler D, Wrobel M. (2012)
Depression – Medikamentöse Therapie. CliniCum neuropsy. Sonderausgabe November 2012; Kapitel 4
2 Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz (2017): Suizid und Suizidprävention in Österreich: Seite 3, 12.
Abgerufen am 25.02.2020, von https://www.sozialministerium.at/cms/site/attachments/2/3/9/CH4000/CMS1392806075313/
suizidbericht_2018_korr2019.pdf
3 World Health Organization. Depression and Other Common Mental Disorders: Global Health Estimates. Geneva (2017)
Seite 8,9. Abgerufen am 25.02.2020, von https://apps.who.int/iris/bitstream/handle/10665/254610/WHO-MSD-MER-2017.2-eng.pdf;jsessionid=459B919220D46ADA4E-217B088A357607?sequence=1
4 Kasper S, Psota G, Bach M, Geretsegger C, Gößler R, Klier C, Lentner S, Ludwig H, Praschak-Rieder N, Toplak H, Wancata J, Aigner M,
Fruhwürth G, Hausmann A, Hofmann P, Kapfhammer HP, Lehofer M, Musalek M, Rados C, Rainer M, Sachs GM, Schernthaner G, Windhager
E, Wrobel M (2010) Antidepressive Therapie bei somatischen Erkrankungen. Konsensus-Statement – State of the art 2010. CliniCum
neuropsy Sonderausgabe November 2010; Kapitel 11

 

 

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