Mit Multipler Sklerose leben

Mit Multipler Sklerose leben

Multiple Sklerose ist eine Krankheit, die Dein Nervensystem beeinträchtigt.
Sie kann sowohl Dein Leben radikal verändern als auch das Leben Deiner Liebsten indirekt beeinträchtigen.

Weltweit leiden zirka 2,8 Mio. Menschen an MS.

Weltweit leiden zirka 2,8 Mio. Menschen an MS.1

MS ist eine Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS).

MS ist eine Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS). Sie betrifft u. a. Dein Gehirn, Dein Rückenmark und Deine Sehnerven, stört den regulären Informationsfluss und kann schwere Beeinträchtigungen der Körperfunktionen nach sich ziehen.2,3

Unvorhersehbar und bei jedem anders

Der Krankheitsverlauf, der Schweregrad und die genauen Symptome von Menschen mit MS sind unvorhersehbar, da MS jeden Menschen auf eine andere Art und Weise beeinträchtigt. 3,4

Derzeit ist uns noch kein Heilmittel für MS bekannt.

Derzeit ist uns noch kein Heilmittel für MS bekannt. Jedoch haben sich die Behandlungsmethoden in den vergangenen Jahrzehnten vervielfältigt und die aktuelle Forschung beschäftigt sich laufend mit MS, ihren Symptomen sowie Ursachen.5,6

Was ist MS?

MS ist eine neurologische Autoimmunerkrankung, bei der Deine eigenen Immunzellen Dein ZNS angreifen und es dadurch schädigen.4,5

  • Normalerweise halten die Zellen des Immunsystems nach Anzeichen von Infektionserregern (z. B. Viren und Bakterien) Ausschau und greifen diese an, wenn sie welche entdecken.
  • Aus noch weitgehend unbekannten Gründen greifen unsere Immunzellen bei einer MS-Erkrankung die Außenschicht der Nervenzellen – das sogenannte Myelin – an und rufen Entzündungen des ZNS hervor.4

Wenn Du mit Deinem Gesundheitsteam über Deine MS sprichst, werden Dir im Gespräch zwei Arten von Blutzellen (Lymphozyten) unterkommen, die in diesem Prozess eine wichtige Rolle spielen. Diese sogenannten B-Zellen und T-Zellen sind Teil des Immunsystems unseres Körpers.

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Entzündung: Eine Entzündung ist eine Schutzreaktion unseres Körpers auf schädliche Reize wie Krankheitserreger, geschädigte Zellen oder Irritationen. Eine Entzündung zielt in der Regel darauf ab, die Ursache der Zellschädigung sowie geschädigtes Gewebe zu beseitigen und die Gewebeheilung einzuleiten.7
Bei MS kommt es zu abnormalen Entzündungen, die das zentrale Nervensystem schädigen. 3

B-Zellen und T-Zellen: An der gewöhnlichen Immunabwehr sind viele verschiedene Zellen beteiligt. In der Regel produzieren B-Zellen Antikörper, die das Immunsystem dabei unterstützen, ansteckende Fremdsubstanzen zu erkennen. T-Zellen greifen diese ansteckenden Fremdsubstanzen an und tragen zur Regulierung der Immunabwehr bei. Bei MS dringen diese Zellen in das ZNS ein und rufen Läsionen hervor.5

Myelin: Die Substanz Myelin bildet eine Art Schutzschicht für die Neuronen des ZNS. Dadurch wird es den Neuronen erleichtert, Signale schnell zu übermitteln.8
Bei demyelinisierenden Erkrankungen wie MS wird das Myelin beschädigt oder zerstört, wodurch es für die Neuronen schwieriger wird, schnell und erfolgreich miteinander zu kommunizieren. Bei MS können auch die Neuronen selbst beschädigt werden.3,8

MS-Läsionen: Bereiche, in denen Entzündungen das Myelin beschädigt oder zerstört haben, werden Läsionen genannt. Solche Läsionen können im Gehirn, Sehnerv und Rückenmark auftreten. Deine Ärztinnen und Ärzte stellen diese Läsionen häufig mittels Magnetresonanztomographie (MRT) fest.2

Wie beeinträchtigt MS die Kommunikation im ZNS?

Das ZNS kommuniziert, indem es Signale durch Nervenzellen, sogenannte Neuronen, leitet. Diese Neuronen unterstützen Dich dabei, die Welt um Dich herum zu verarbeiten und auf sie zu reagieren.9

Pathway 1

Gruppen von Neuronen verbinden sich zu neuronalen Netzwerken, die wie gut instandgehaltene Autobahnen durch das gesamte ZNS führen. 10 So kann Dein Gehirn Informationen aus der Welt um Dich herum erhalten und verarbeiten.

Pathway 2

Bei MS werden diese Autobahnen „beschädigt“ und werden mit der Zeit unterbrochen.9,11
Dadurch bewegen sich die Signale innerhalb der neuronalen Netzwerke unter Umständen langsamer und weniger effizient.11

Pathway 3

Das ZNS kann neue Verbindungen aufbauen und versuchen, die Schäden zu reparieren. Jedoch nimmt seine Fähigkeit, diese neuen Verbindungen aufzubauen, im Laufe der Zeit ab.10,12

Pathway 4

Während das Gehirn neue Verbindungen knüpft, kann es weniger effizient werden. Das ist wie bei einem Umweg: Man kommt vielleicht immer noch ans Ziel, braucht in der Regel aber länger.12,13

Dame mit blauem Hintergrund

Es gibt kein konkretes Symptom, keinen physischen Befund und keinen Labortest, durch das bzw. den MS endgültig diagnostiziert werden kann. Daher müssen Ärztinnen und Ärzte bei der Untersuchung ihrer Patientinnen und Patienten eine Vielzahl an Untersuchungsmethoden einsetzen, bevor sie eine Diagnose stellen können. Sie machen eine detaillierte Anamnese, führen eine neurologische Untersuchung durch und ordnen zusätzliche Untersuchungen wie Bluttests, Rückenmarksflüssigkeitstests (manchmal auch Lumbalpunktion genannt) und bildgebende Verfahren wie Magnetresonanztomographien (MRT) an.4

Eine MS-Diagnose wird nur gestellt, wenn die Ergebnisse dieser Tests und Untersuchungen bestimmten Kriterien (den sogenannten McDonald-Kriterien) entsprechen.12

Manche Personen bekommen womöglich die Diagnose „radiologisch isoliertes Syndrom“ (RIS) oder „klinisch isoliertes Syndrom“ (KIS).

Radiologisch isoliertes Syndrom (RIS)

Auf den MRTs von Menschen mit RIS ist eine Abnormalität im Gehirn oder Rückenmark zu erkennen, die einer MS-Läsion ähnelt. Diese Personen haben zum Zeitpunkt der Entdeckung der Abnormalität keine neurologischen Symptome und hatten auch davor keine.3

Menschen mit KIS haben eine erste Episode neurologischer Symptome, die von Entzündungen im ZNS und beschädigtem Myelin hervorgerufen werden. Die Anzeichen und Symptome von KIS ähneln MS-Symptomen zwar, erfüllen jedoch noch nicht alle Kriterien für eine MS-Diagnose. 3

Eine MS-Diagnose umfasst womöglich auch die Feststellung eines Subtyps. Zu den wichtigsten Subtypen zählen die schubförmig remittierende MS, die sekundär progrediente MS mit oder ohne Schübe und die primär progrediente MS.2,6

Frau mit Hund
Primär progrediente MS (PPMS)
Beispielhafter Krankheitsverlauf bei einer Person mit PPMS3
Beispielhafter Krankheitsverlauf bei einer Person mit PPMS

PPMS ist ein MS-Typ, bei dem sich sowohl die Symptome als auch die neurologische Funktion mit der Zeit allmählich fortschreitend verschlechtern, wobei es zwischendurch zu keinen Schüben bzw. Remissionsperioden kommt. PPMS kann ebenfalls als „aktiv“ (mit Schüben bzw. Anzeichen neuer MRT-Aktivität in einem bestimmten Zeitraum) und „nicht aktiv“ sowie „mit Progression“ (Anzeichen einer zunehmenden Behinderung im Laufe der Zeit, mit oder ohne Schübe oder neue MRT-Aktivität) oder „ohne Progression“ bezeichnet werden. Ungefähr 10–15 % der neuen MS-Diagnosen entfallen auf diesen Typ.

Die Grafik zeigt den Krankheitsverlauf bei PPMS beispielhaft auf, wobei die individuellen PPMS-Verläufe sich von Person zu Person unterscheiden. In Anlehnung an die„MS-Typen“ der National MS Society.

Beispielhafter Krankheitsverlauf bei einer Person mit RRMS14
Beispielhafter Krankheitsverlauf bei einer Person mit RRMS

RRMS betrifft den Großteil der Menschen mit MS (85 %) und zeichnet sich durch wiederkehrende „Schübe“ aus, auf die Zeiten der Besserung und Remission folgen. Schübe sind Episoden mit neuen Symptomen oder mit einer Verschlechterung alter Symptome, die zeitgleich mit MS-Läsionen im ZNS auftreten können.2,5,12,13

  • Schübe können in ihrer Intensität von leicht bis schwerwiegend variieren und die von ihnen hervorgerufenen Symptome sind von Person zu Person verschieden. Nach einem Schub können die Symptome komplett verschwinden, aber das ist nicht immer der Fall. Wenn Symptome nach einem Schub andauern, kann das zu weiterer Behinderung führen.12,13
  • RRMS kann ebenfalls als „aktiv“ (mit Schüben bzw. Anzeichen neuer MRT-Aktivität in einem bestimmten Zeitraum) und „nicht aktiv“ sowie „mit Verschlechterung“ (ein nachweislich erhöhter Behinderungsgrad nach einem Schub) oder „ohne Verschlechterung“ bezeichnet werden.12

Die Grafik zeigt den Krankheitsverlauf bei RRMS beispielhaft auf, wobei die individuellen RRMS-Verläufe sich von Person zu Person unterscheiden.

In Anlehnung an die „MS-Typen“ der National MS Society.

Beispielhafter Krankheitsverlauf bei einer Person mit SPMS14
Beispielhafter Krankheitsverlauf bei einer Person mit RRMS

RRMS geht bei 80 % der Patientinnen und Patienten schlussendlich in SPMS über. Bei dieser Art der MS verschlechtern sich die Funktion Deines ZNS und Dein Behinderungsgrad mit der Zeit stetig, mit oder ohne Schübe. SPMS kann ebenfalls als „aktiv“ (mit Schüben bzw. Anzeichen neuer MRT-Aktivität in einem bestimmten Zeitraum) und „nicht aktiv“ sowie „mit Progression“ (Anzeichen einer zunehmenden Behinderung im Laufe der Zeit, mit oder ohne Schübe oder neue MRT-Aktivität) oder „ohne Progression“ bezeichnet werden.2,5,12

Die Grafik zeigt den Krankheitsverlauf bei RRMS beispielhaft auf, wobei die individuellen RRMS-Verläufe sich von Person zu Person unterscheiden.

In Anlehnung an die „MS-Typen“ der National MS Society.

Referenzen
  1. The Multiple Sclerosis International Federation, Atlas of MS, 3. Ausgabe (September 2020).
  2. Dendrou CA, Fugger L, Friese MA. Immunopathology of multiple sclerosis. Nat Rev Immunol. 2015; 15(9): 545-558. doi:10.1038/nri3871.
  3. National MS Society/What is MS. Accessed September 25, 2020. https://www.nationalmssociety.org/What-is-MS.
  4. National MS Society/ Symptoms and Diagnosis/MS Symptoms. Accessed June 29, 2020. https://www.nationalmssociety.org/ Symptoms and Diagnosis/MS Symptoms.
  5. National Institutes of Health/Hope Through Research/glossary. Zugriff am 24. August 2020. https://www.ninds.nih.gov/Disorders/Patient-Caregiver-Education/Hope-Through-Research/Multiple-Sclerosis-Hope-Through-Research#3215_3
  6. Filippi M, Bar-Or A, Piehl F, et al. Multiple sclerosis. Nat Rev Dis Primers. 2018; 4(1): 43. doi:10.1038/s41572-018-0041-4.
  7. Ferrero-Miliani L, Nielsen OH, Andersen PS, Girardin SE. Chronic inflammation: importance of NOD2 and NALP3 in interleukin-1beta generation. Clin Exp Immunol. 2007; 147(2): 227-235. doi:10.1111/j.1365-2249.2006.03261.x
  8. National MS Society/What is MS/Definition of MS/Myelin. Zugriff am 24. August 2020.https://www.nationalmssociety.org/What-is-MS/Definition-of-MS/Myelin
  9. Di Filippo M, Portaccio E, Mancini A, Calabresi P. Multiple sclerosis and cognition: synaptic failure and network dysfunction. Nat Rev Neurosci. 2018; 19(10): 599-609. doi:10.1038/s41583-018-0053-9.
  10. Li Y, Jewells V, Kim M, et al. Diffusion tensor imaging based network analysis detects alterations of neuroconnectivity in patients with clinically early relapsing-remitting multiple sclerosis. Hum Brain Mapp. 2013; 34(12): 3376-3391. doi:10.1002/hbm.22158.
  11. Bassi M, Iezzi E, Pavone L, et al. Modeling Resilience to Damage in Multiple Sclerosis: Plasticity Meets Connectivity. Int J Mol Sci. 2019; 21(1): 143. doi:10.3390/ijms21010143.
  12. Cerqueira JJ, Compston DAS, Geraldes R, et al. Time matters in multiple sclerosis: can early treatment and long-term follow-up ensure everyone benefits from the latest advances in multiple sclerosis? J Neurol NeurosurgPsychiatry. 2018; 89(8): 844-850. doi:10.1136/jnnp-2017-317509.
  13. Kerschensteiner M, Bareyre FM, Buddeberg BS, et al. Remodeling of axonal connections contributes to recovery in an animal model of multiple sclerosis. J Exp Med. 2004; 200(8): 1027-1038. doi: 10.1084/jem.20040452.
  14. National MS Society/What is MS/Types of MS. Zugriff am 26. August 2020. https://www.nationalmssociety.org/What-is-MS/Types-of-MS.
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