Eine Depression entsteht nicht von heute auf morgen. Deswegen verschwindet sie auch nicht über Nacht. Der Weg zur Genesung braucht Zeit. Auch kleine Schritte führen zum Ziel. Oft haben einfache Dinge eine große Wirkung.

 

Nach der Diagnose besprichst du mit dem Arzt, wie deine Therapie aussehen soll. Das Ziel ist, dass es dir rasch besser geht. Meist wird das eine Mischung aus Psychotherapie und Medikamenten sein. Auf der rechten Seite findest du 7 Stationen. Wenn du die Medikamente regelmäßig einnimmst und zur Psychotherapie gehst, kannst du alle Stationen erreichen. Gib dir die Zeit, die du brauchst. Es geht nicht darum, wie schnell du die Stationen erreichst. Auch die Reihenfolge kann bei dir anders sein. Rückschläge und Verzögerungen gehören dazu.

 

Den meisten geht es nach 3 bis 4 Wochen schrittweise besser

Während der Therapie fragt dich dein Arzt oder Psychotherapeut immer wieder, wie es dir geht. Vielleicht wird er dir auch Fragebögen und Tests geben. So seht ihr, wie die Therapie wirkt. Nach 3 bis 4 Wochen geht es den meisten Betroffenen schon spürbar besser.

Dir geht es nach dieser Zeit jedoch noch nicht besser? Dann besprich das bitte mit deinem Arzt. Er braucht diese Information, um die passende Therapie zu finden. Manchmal muss die Therapie einfach noch mehr angepasst werden.

Den Alltag meistern hilft am meisten

Das gewohnte Leben verliert für die Betroffenen seine Selbstverständlichkeit. Beruf, Alltag und Hobbys überfordern sie, alle Pflichten belasten. Du möchtest vielleicht deinen Angehörigen ablenken und auf andere Gedanken bringen. Vielleicht schlägst du ihm vor, was ihr alles unternehmen könntet. Das muss Betroffenen aber nicht weiterhelfen. Es könnte sie im Gegenteil auch noch mehr belasten. Viele Vorschläge können zusätzlichen Stress bedeuten, wenn der Alltag schon kaum zu bewältigen ist.

Vielleicht hilft dir der Vergleich: Du schlägst einem Menschen mit einem gebrochenen Fuß auch keinen Spaziergang vor. Sondern es geht erst einmal darum, mit Gips und Krücken zurechtzukommen. Am meisten hilft es Betroffenen, wenn ihr den Alltag gemeinsam gestaltet. Gehe nicht davon aus, was dir am besten helfen würde, sondern orientiere dich an den Bedürfnissen und Wünschen des Betroffenen.

 

Die 7 wichtigsten Stationen auf dem Weg zur Gesundheit

Die Reihenfolge kann bei dir durchaus anders sein als hier abgebildet.

1. Station:

Dein Schlaf ist besser. Schlaf ist wichtig. Das erste Ziel ist deshalb, dass du gut schläfst. So kannst du dich in der Nacht erholen und Kraft tanken.

2. Station:

Deine Angst nimmt ab. Mehr und mehr verschwindet die Angst. Es gibt Momente von Zuversicht und Mut.

3. Station:

Du fühlst dich wieder wohler. Deine Gemütslage beruhigt sich langsam. Du bemerkst, was sich schon verändert hat.

4. Station:

Du beobachtest deinen Appetit. Der Appetit zeigt dir, was der Körper braucht. Oft hast du Appetit auf Süßes und Kohlehydrate. Ein starker Appetit kann eine Nebenwirkung der Medikamente sein. Sprich bitte mit dem Arzt, wenn du mehr Hunger hast als sonst.

5. Station:

Deine Energie kehrt langsam zurück. Du schaffst den Alltag besser. Das stärkt Stück für Stück deinen Selbstwert.

6. Station:

Deine Zuversicht wird stärker. Du weißt, was du schon geschafft hast. Das gibt dir Kraft. Es kommt wieder Freude in dein Leben und das macht dich stark.

7. Station:

Die Gedanken sind klarer. Du grübelst seltener und die Gedanken sind geordnet. Du hast Pläne und nimmst wieder voll am Leben teil.

Die Tage strukturieren

Eine Depression stellt das Leben auf den Kopf. Nichts ist mehr, wie es vorher war. Daher fehlen auch oft die Fixpunkte im Alltag, die ihn vorher bestimmt haben. Neue Rituale helfen dir, wieder eine Struktur zu finden.

So erreichst du kleine Ziele

Überlege dir, was du heute erledigen willst. Das muss nichts Großes sein: ein Paket auf die Post bringen, einen Anruf erledigen oder kurz einkaufen gehen. Du kannst auch eine Liste von leichten Aufgaben aufschreiben, die du erledigen willst. Gib dir dabei Zeit und mache Pausen. Nimm eine freundliche Haltung dir gegenüber ein. Hab Verständnis für dich. Es ist ein Teil der Krankheit, dass du wenig Kraft hast. Es wird verlässlich besser werden.

„Erste Hilfe für die Seele“
Diese Broschüre von Pro mente gibt gute Anregungen, um gut durch den Tag zu kommen. Sie zeigt die ersten Schritte zur psychischen Gesundheit.
Du kannst die Broschüre hier kostenlos bestellen:
www.erstehilfefuerdieseele.at

 

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1 Patientenleitlinie zur S3-Leitlinie Unipolare Depression, Seite 30. Abgerufen am 25.02.2020,
von https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/nvl-005p_S3_Unipolare_Depression_2017-05.pdf

EM-56651