Der erste Schritt ist, die Krankheit zu verstehen: Du weißt jetzt, warum es dir gerade schlecht geht. Der nächste Schritt ist, eine passende Behandlung zu finden. Therapie-Angebote können in einer Arztpraxis, einer Ambulanz oder auch stationär in einer Klinik wahrgenommen werden.

 

Bei jeder Therapie sollen Beschwerden weniger werden oder ganz verschwinden. Mit der Zeit soll es möglich sein, dass du den Alltag mit alter Kraft meisterst. Auch die dunklen Gedanken sollen sich auflösen.

Das geht nicht von heute auf morgen. Es dauert, bis du wieder fit bist. Im Laufe deiner Behandlung wird es Höhen und Tiefen geben. Es braucht vielleicht Zeit, die für dich richtige Behandlung zu finden. Dabei sind Geduld und Ausdauer gefragt. Aber es lohnt sich. Hier zeigen wir dir verschiedene Möglichkeiten.

Wie bei jeder psychischen Krankheit untersucht dich erst einmal dein Arzt oder Psychiater. Bei einer Depression gibt es körperliche und psychische Anzeichen. Nach der Untersuchung schlägt dir der Psychiater eine Therapie vor. Gemeinsam könnt ihr die für dich passende Kombination aussuchen. Du entscheidest, welche Therapie du machen möchtest.

 

Therapie-Bausteine kombinieren

Eine Therapie besteht aus mehreren Bausteinen und es empfiehlt sich eine Kombination aus Medikamenten, therapeutischen Gesprächen beim Arzt und speziell für die Depression entwickelter Psychotherapie. Aber auch Sport und gesunde Ernährung sind für Patienten ein wichtiges Thema, denn sie heben die Stimmung und verbessern das Wohlbefinden. Dein Psychiater berät dich gerne. Sprich mit ihm offen über deine Wünsche und Bedenken. Nur so kann er dich gut begleiten.

 

Medikamente

Medikamente bringen die Chemie im Gehirn wieder in Ordnung. Dadurch fühlst du dich besser, die Beschwerden gehen zurück.

 

Psychotherapie

Mit deinem Psychotherapeuten kannst du ganz offen reden – über Gedanken, Gefühle und Belastendes. Aber auch über das, was dir hilft und was dir guttut. So finden sich Wege aus der Depression.

 

Gesunde Lebensführung

Durch Bewegung und gesunde Ernährung kannst du ganz viel für deinen Körper tun. Wenn du gerade genug Kraft hast, triff auch Freunde und Kollegen.

 

Du kannst jemanden zur Therapie mitbringen
Du kannst eine Vertrauensperson zur Therapie mitbringen, wenn dir das guttut und hilft. Wichtig ist, dass du der Person vertraust und sie dir nahesteht. Dadurch gibt es zusätzlich die Sicht einer anderen Person auf deine Therapie. Bitte sag deinem Arzt oder Psychotherapeuten schon vorher, wenn du jemanden mitbringst. Er kann sich dann besser darauf vorbereiten.
Die Gespräche mit dem Arzt sind vertraulich
Ärzte und Therapeuten unterliegen der Schweigepflicht. Sie dürfen also nichts weitererzählen, auch nicht deinem Arbeitgeber. Du kannst also ganz offen über dich und deine Gefühle reden.
Gute Erfolge bei passender Therapie
Drei Viertel der Patienten sind im Schnitt nach 4 bis 6 Monaten wieder vollkommen gesund. Eine auf den Patienten zugeschnittene Therapie ist dafür Voraussetzung.
Bitte beachte, dass jede Depression anders verläuft: Es ist ganz unterschiedlich, wie lange sie dauert und wie schwer sie ist.

Du kannst Betroffene bei ihrer Therapie unterstützen
Es kostet viel Kraft, eine Therapie zu machen. Die Verantwortung liegt beim Betroffenen. Diese Verantwortung kannst und sollst du ihm nicht abnehmen. Das betrifft Termine beim Arzt genauso wie die Einnahme der Medikamente. Aber du kannst zum Beispiel eine schöne Pillendose besorgen und mit zum Arzt gehen. Du kannst im Alltag unterstützen: etwas Gesundes kochen, beim Spazierengehen begleiten oder ein paar Handgriffe anbieten. Achte bitte auch auf dich, deine Kräfte und deine Grenzen. Es bringt dem Betroffenen nichts, wenn du deine eigene Gesundheit gefährdest.

Antworten auf häufige Fragen zu Medikamenten

1. Wann geht es mir endlich besser?

Medikamente gegen Depressionen heißen Antidepressiva. Diese Medikamente beginnen unmittelbar im Körper zu wirken. Es dauert bei traditionellen Medikamenten selbst bei regelmäßiger Einnahme ca. 2 bis 4 Wochen, bis du diese Wirkung auch tatsächlich wahrnehmen kannst. In den letzten Jahren wurde eine Reihe neuer Therapien erforscht, die schneller wirken sollen2. Sollten die Beschwerden trotz zweier Behandlungen mit Antidepressiva nicht weniger werden, spricht man von einer therapieresistenten Depression. Auch in diesem Fall gibt es für Patienten weitere Behandlungsmöglichkeiten3. Wenn dir deine Medikamente nicht helfen, sprich bitte mit dem Arzt darüber. Bitte setze deine Antidepressiva nie alleine ab.

 

2. Muss ich an die Wirkung glauben?

Die Antidepressiva wirken, egal ob du daran glaubst oder nicht. Es ist nur wichtig, dass du sie regelmäßig einnimmst. Bitte halte dich an das, was dein Arzt dir gesagt hat. So wirken die Antidepressiva am besten.

 

3. Kann ich von Antidepressiva süchtig werden?

Antidepressiva müssen manchmal lange eingenommen werden. Sie machen aber nicht süchtig. Ein Patient mit Depression wird genauso wenig süchtig nach seinen Medikamenten wie ein Patient mit Diabetes nach Insulin.

 

4. Verändert sich meine Persönlichkeit?

Durch die Antidepressiva verändern sich weder deine Persönlichkeit noch dein Bewusstsein. Die Medikamente sollen die Stimmung und die Energie heben, damit sich deine Persönlichkeit wieder ganz zeigen kann.

 

5. Gibt es Nebenwirkungen?

Wie bei jedem Medikament kann es Nebenwirkungen geben. Sie treten nicht bei jedem Patienten auf und zeigen sich auch unterschiedlich. Falls du Nebenwirkungen spürst, sprich bitte mit deinem Arzt darüber.

 

6. Wie helfen mir die Antidepressiva?

  • Beschwerden lindern
  • Energie steigern
  • Bessere Konzentration
  • Alltag meistern

 

Bei Rückschlägen einfach weitermachen
Auf dem Weg der Besserung kann es dir auch einmal wieder schlechter gehen. Das ist ein Teil der Krankheit. Aber wie mit einem Rückschlag umgehen? Mach einfach mit dem Therapieplan weiter wie vorher. Auch ein Rückschlag geht vorbei. Und du bist nicht alleine damit: Dein Arzt oder Therapeut können dich in schweren Zeiten unterstützen.
Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs – Rückfällen vorbeugen:
www.gesundheit.gv.at/krankheiten/psyche/depression/praevention
AWMF – Patientenleitlinie „Unipolare Depression – Nationale Versorgungsleitlinie“. Online abrufbar.

 

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1 Patientenleitlinie zur S3-Leitlinie Unipolare Depression, Seite 29. Abgerufen am 25.02.2020, von https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/nvl-005p_S3_Unipolare_Depression_2017-05.pdf
2 Yan, Kuo & Chen, Yi-Bing & Wu, Jia-Rong & Li, Kuang-Dai & Cui, Yuan-Lu. (2018). Current Rapid-Onset Antidepressants and Related Animal Models. Current Pharmaceutical Design. 24. 10.2174/1381612824666180727115222.
3 Kasper K, Lehofer M, Sachs GM, Bartova L, Dold M, Erfurth A, Hausmann A, Kapfhammer HP, Kautzky A, Klier C, Kraus C, Plener P, Praschak-Rieder N, Rados C, Rainer M, Willeit M, Winkler D (2019) Depression – Medikamentöse Therapie. Konsensus-Statement – State of the Art 2019. CliniCum neuropsy. Sonderausgabe November 2019. Kapitel 11.2. Empfohlene Maßnahmen bei Therapieresistenz. Seite 24

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