Je besser man seine Situation versteht, desto besser kann man für sich entscheiden.
Daher haben wir die wichtigsten Fakten rund um deine Situation zusammengestellt.

 

Eine Depression ist eine Krankheit wie viele andere

Eine Depression ist eine psychische Krankheit und mit körperlichen Krankheiten wie Diabetes oder Asthma vergleichbar. Sie kann sich in zahlreichen Beschwerden äußern, wie etwa anhaltend gedrückter Stimmung, einer Hemmung von Antrieb und Denken, Interessenverlust, sowie in vielfältigen körperlichen Symptomen.
Diese können von Schlaflosigkeit über Appetitstörungen bis hin zu Schmerzzuständen reichen. Bei einer Depression hat man keine oder nur wenig Freude am Leben. Man ist lustlos, kraftlos oder traurig. Nichts macht einem mehr Spaß. Man hat den Eindruck, dass alles schlecht ist. Wie jede andere Krankheit muss eine Depression vom Arzt behandelt werden.

Eines ist sehr wichtig zu wissen: Eine Depression kann jeden treffen. Alter, Beruf, Lebensstil und Bildung spielen dabei keine Rolle. Es ist nichts, woran man schuld ist oder wofür man sich schämen muss.

 

Die meisten werden wieder völlig gesund

Es gibt viele Therapien und Behandlungen. Depressionen sind bestens erforscht und gut zu behandeln. Dafür ist eine moderne Behandlung wichtig, die auf die Person zugeschnitten ist.

 

Man kann selber ganz viel für die psychische Gesundheit tun

Auch wenn du dich vielleicht gerade schwach und ausgeliefert fühlst: Du musst nicht tatenlos abwarten. Du kannst selber ganz viel dazu beitragen, dass es dir wieder besser geht. Bildlich gesprochen nimmst du das Steuer wieder in die Hand. Das Tempo bestimmst du.

 

Die 5 wichtigsten Punkte auf dem Weg zur Besserung sind:

  1. Medikamente
  2. Psychotherapie
  3. die eigenen Gedanken
  4. das eigene Handeln
  5. ein unterstützendes Umfeld

 

Jede Depression verläuft anders

Es gibt nicht die eine Depression. Bei jedem Menschen entsteht sie anders und zeigt sich unterschiedlich. Die meisten denken dabei nur an Traurigkeit oder gedrückte Stimmung. Es gibt aber noch weitere mögliche Anzeichen, die das Leben belasten.

  • Ich fühle mich niedergeschlagen.
  • Ich fühle mich antriebslos.
  • Ich habe alle Freude verloren.
  • Ich mag nichts mehr unternehmen.
  • Ich fühle mich innerlich leer.
  • Ich interessiere mich für nichts mehr.
  • Ich werde leicht müde.
  • Ich bin erschöpft.
  • Ich kann mich nur schwer konzentrieren.
  • Ich bin gereizt.
  • Ich bin nervös.
  • Ich habe Schuldgefühle.
  • Ich fühle mich wertlos.
  • Ich habe Angst vor der Zukunft.
  • Ich habe wenig Hoffnung für die Zukunft.
  • Ich sehe keinen Sinn mehr im Leben.
  • Ich denke daran, mir das Leben zu nehmen.
  • Ich habe Schlafstörungen.
  • Ich habe wenig Appetit.
  • Ich habe wenig Lust auf Sex.

Es geht dir gerade sehr schlecht? Oder du denkst daran, dir das Leben zu nehmen? Dann gehe bitte rasch zum Arzt. Er kann dir helfen. Am Telefon kannst du selbst am Wochenende oder in der Nacht Hilfe bekommen. Die Telefonnummern findest du hier.
Es ist ein Zeichen von Stärke und Mut, sich Hilfe zu holen.

 

Traurigkeit und Depressionen sind schwer zu unterscheiden

Traurige Phasen gehören zum Leben dazu. Diese Gefühle sind gesunde Antworten auf Verletzungen, Kränkungen oder Verluste. Doch wie kann man eine Depression von Traurigkeit unterscheiden? Trauer und traurige Phasen sind meist die Folgen schlimmer Erlebnisse. Sie lassen im Unterschied zu einer Depression nach einer gewissen Zeit nach. Ebenso ist bei Trauernden das Selbstwertgefühl noch heil. Trauernde können sich zum Beispiel auch noch freuen, wie zum Beispiel über eine fröhliche Geschichte aus dem Leben eines Verstorbenen.

Menschen mit einer Depression beschreiben ihre Situation so: Die restliche Welt verbirgt sich hinter einer Mauer. Gefühle können nicht zu ihnen durchdringen. Es ist unmöglich, am Leben auf der anderen Seite der Mauer teilzunehmen. Schwer Betroffene spüren oft nicht einmal mehr das Gefühl der Trauer.

Es geht sehr vielen so

Depressionen sind häufig. Jeder fünfte Mensch erlebt im Laufe seines Lebens eine depressive Phase. Betroffenen fällt es oft sehr schwer, über ihre Situation zu reden. Das ist verständlich, aber gleichzeitig auch schade. Denn wer offen über seine Krankheit spricht, kann diese Krankheit früh erkennen und rasch Hilfe bekommen. Langsam ändert sich der Stellenwert dieser Krankheit in der Gesellschaft. Psychische Gesundheit wird mehr und mehr ein wichtiges Thema und erhält die Bedeutung, die sie braucht.

Auch Angehörige sind von den Auswirkungen einer Depression betroffen

Schön, dass du da bist. Hier wenden wir uns an dich als Angehörigen. Denn auch du bist von den Folgen einer Depression betroffen. Das kann belastend sein. Je mehr du weißt, desto besser verstehst du die Krankheit. Menschen mit einer Depression haben oft nicht die Kraft, dir ihre Krankheit zu erklären. Es ist auch nicht ihre Aufgabe. Hier haben wir für dich die wichtigsten Informationen zusammengestellt.

Betroffene brauchen am dringendsten Verständnis, Geduld, ein offenes Ohr und dass du einfach da bist. Ratschläge und Vorträge helfen ihnen nicht weiter, auch wenn sie gut gemeint sind.

Es gibt Organisationen für Angehörige. Wende dich bitte bei Fragen an HPE Österreich. HPE heißt: Hilfe für Angehörige psychisch Erkrankter: www.hpe.at

Eine Depression entsteht im Gehirn1

Gerät die Chemie im Gehirn aus dem Gleichgewicht, drückt das die Stimmung und eine Depression kann entstehen. Depressionen entstehen durch diese Einflüsse:

  1. Biologische Einflüsse
  2. Psychisch-soziale Einflüsse

Zu den biologischen Einflüssen zählen: ein chemisches Ungleichgewicht im Gehirn oder eine familiäre Neigung zu Depressionen durch die Gene.

Zu den psychisch-sozialen Einflüssen zählen: Stress, Krisen oder sehr schlimme Erlebnisse. Eine Depression entsteht immer durch einen komplizierten Mix aus körperlichen und psychischen Einflüssen.

Neuere Studien weisen darauf hin, dass körperliche Erkrankungen und das Entstehen einer Depression zusammenhängen. Die Wissenschaft hat das zum Beispiel bei Krebs, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen festgestellt.

 

Niemand hat Schuld an der Krankheit

Wie ist es so weit gekommen? Diese Frage hast du dir wahrscheinlich schon gestellt. Das ist verständlich, aber Grübeln bringt nichts. Fest steht: Es ist niemand schuld daran, schon gar nicht du.

 

Jeder Mensch ist für manche Krankheiten anfälliger als für andere

Manche Menschen erkranken an Diabetes, manche nicht. Es kommt immer darauf an, wie anfällig man für eine Krankheit ist. Genauso ist es bei einer Depression. Hier spielt auch noch eine Rolle, was man erlebt hat.

Außerdem beeinflusst die Feinfühligkeit eines Menschen, wie man mit Erlebnissen umgeht. Es ist von Mensch zu Mensch sehr verschieden, wie verletzlich oder sensibel jemand ist. Einflüsse wie Stress, Verluste oder Kränkungen wirken sich daher bei zwei Menschen oft ganz unterschiedlich aus.

Körper und Geist beeinflussen sich gegenseitig und bilden ein System. Manchmal wird einfach alles zu viel und es kommt zu einer Überlastung dieses Systems. Dann wird man krank. Dazu gibt es in der Wissenschaft eigene Modelle, zum Beispiel das sogenannte Vulnerabilitäts-Stress-Modell2. Vulnerabilität bedeutet Verletzbarkeit.

Ein Tagebuch bringt Klarheit

Eine Depression ist oft schwer zu verstehen. Gedanken, Gefühle und Stimmungen ändern sich dauernd. Depressionen können sich auf viele Weisen zeigen. Vielleicht magst du deine Gedanken und Gefühle in einem Tagebuch aufschreiben? So wirst du dir bewusst, was dir hilft und was dich belastet. Zudem kannst du auch deinem Arzt oder Therapeuten ganz klar sagen, wie es dir gerade geht, sodass er dich besser versteht.

In dieser Rubrik findest du weitere Informationsquellen aus dem Internet. Im Internet gibt es viele falsche Informationen. Deshalb haben wir für dich Links ausgesucht, auf die du dich verlassen kannst. Das Internet kann dir Fragen aber nie so gut beantworten wie dein Arzt oder Therapeut.

 

Kuratorium Psychische Gesundheit:
www.kuratorium-psychische-gesundheit.at

Pro mente – Gesellschaft für psychische und soziale Gesundheit:
www.promenteaustria.at


Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs – Informationen zur psychischen Gesundheit:
www.gesundheit.gv.at/krankheiten/psyche/inhalt

Stiftung Deutsche Depressionshilfe:
www.deutsche-depressionshilfe.de

 

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1 Kasper S, Lehofer M, Doering S, Geretsegger C, Frey R, Haring C, Hausmann A, Hofmann P, Jelem H, Kalousek M, Kapfhammer HP, Klier C, Oberlerchner H, Rados C, Rothenhäusler HB, Sachs GM, Praschak-Rieder N, Psota G, Rainer M, Windhager E, Winkler D, Wrobel M. (2012) Depression – Medikamentöse Therapie. CliniCum neuropsy. Sonderausgabe November 2012; Kapitel 1.4

2 Wirtz, M. (2020). Vulnerabilitäts-Stress-Modell. In M. A. Wirtz (Hrsg.), Dorsch – Lexikon der Psychologie. Abgerufen am 25.02.2020, von https://portal.hogrefe.com/dorsch/vulnerabilitaets-stress-modell/

3 Wittchen et. al (2011): The size and burden of mental disorders and other disorders of the brain in Europe 2010. https://www.ecnp.eu/~/media/Files/ecnp/communication/reports/ECNP%20EBC%20Report.pdf

 

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