Arbeit bestimmt den Alltag und gibt Halt. Es fühlt sich gut an, Aufgaben zu erledigen und erfolgreich abzuschließen.
Daraus zieht man Kraft und Stärke. Arbeit kann aber auch sehr belastend sein.

 

Mit den Beschwerden einer Depression kann der Arbeitsalltag sehr schwerfallen: Man kann sich schlecht konzentrieren. Die Aufmerksamkeit schweift leicht ab. Der Ansporn geht verloren. Hier helfen kleine Schritte und vor allem Nachsicht mit sich selbst.

Verständnisvoll mit sich umgehen

Besonders in einer Depression ist man sehr hart und streng mit sich, meist viel härter und strenger als mit Freunden oder anderen Menschen. Vielleicht hilft dir diese Frage: Was würde ich bei einer Grippe mit hohem Fieber von mir verlangen? Eine Depression ist und bleibt eine Krankheit. Und wer krank ist, hat Einschränkungen. Eine Krankheit ist immer ein Zeichen, kürzer zu treten. Körper und Psyche brauchen Ruhe und Zeit, um wieder gesund zu werden. Es ist wichtig, auf die eigenen Grenzen zu achten. Arbeite mit dir und nicht gegen dich.

 

Der Arbeitgeber muss nichts von der Depression wissen

In deiner Krankenstandsbestätigung steht nicht, welche Krankheit du hast. Du musst deinem Arbeitgeber die Diagnose nicht sagen. Auch Arzt und Therapeut dürfen nichts weitererzählen.

Arbeit kann krank machen

Rund ein Drittel aller unselbstständig Erwerbstätigen werden durch die Arbeit krank. Die häufigsten Ursachen liegen im körperlichen Bereich, aber Erkrankungen der Psyche nehmen rasant zu – allein von 2009 auf 2011 wurde ein Anstieg von 22 % verzeichnet. Krankenstände bei psychischen Erkrankungen dauern auch länger als bei körperlichen Erkrankungen.

Durchschnittliche Krankenstandsdauer:
• bei psychischen Erkrankungen: 40 Tage
• bei körperlichen Erkrankungen: 11 Tage

Verstehen und Zuhören helfen Betroffenen am meisten weiter

Jeder kennt das: In der Arbeit läuft es nicht gut, nichts klappt so wirklich. Das zehrt an den Kräften und drückt auf das Selbstwertgefühl. Verstehen und Zuhören helfen Betroffenen am meisten. Ratschläge machen nur unnötigen Druck. Für Betroffene ist es wichtig zu spüren, dass sie trotz der Schwierigkeiten mit der Arbeit wertvoll sind und geschätzt werden.

Ganz im Moment sein

Wer sich dauernd vor Augen hält, was er noch tun muss, bekommt Stress. Auch Selbstvorwürfe machen Druck. Dieser Stress und Druck machen alles nur schlimmer, dabei geht viel Kraft verloren. Vielleicht solltest du probieren, die Aufmerksamkeit mehr auf den Moment zu lenken und kurzfristig zu denken. Wie fühle ich mich gerade in diesem Moment? Was kann ich jetzt gerade tun?

Sich krankschreiben lassen

Bei einer Depression bist du genau so krank wie bei einer Lungenentzündung. Wie bei jeder Krankheit braucht man Zeit und Ruhe, um wieder Kräfte zu sammeln. Melde dich krank, wenn das notwendig ist. Dazu ein Gedanke: Manchmal kann man das Flugzeug reparieren, während es fliegt. Manchmal muss es aber zur Reparatur in den Hangar.

Sich Vertraute suchen

Versuche in der Arbeit jemanden zu finden, dem du vertraust und mit dem du offen reden kannst. Das können zum Beispiel sein: der Betriebsrat, ein Arbeitspsychologe oder ein Arbeitsmediziner. Du kannst auch mit deinem Psychiater oder Psychotherapeuten darüber reden.

Sagen, wenn der Alltag zu viel wird

Beruf, Familie, Freunde und Hobbys – der Alltag fordert Zeit und Energie. Es ist für jeden manchmal schwer, alles unter einen Hut zu bekommen. Kommt dann noch eine Depression dazu, wird es zu viel. Ruf dir in Erinnerung: Es ist ein Teil der Krankheit, dass du nicht voll belastbar bist. Du kannst auch sagen, wenn es dir zu viel wird.

 

So wird die Arbeit leichter
  • Die Arbeit einteilen: Schreibe eine Aufgabenliste. Dort steht, was du heute unbedingt schaffen musst. Konzentriere dich immer nur auf das, was du gerade machst. Und arbeite die Liste Schritt für Schritt ab.
  • Zeit für das Wichtigste einplanen: Nicht alles ist gleich wichtig oder gleich dringend. Es muss nicht alles heute erledigt werden. Plane genug Zeit für das Wichtigste ein. Wenn du zu viele Aufgaben hast, kannst du diese auch an andere abgeben. Das zeigt, dass du die Arbeit ernst nimmst und Verantwortung übernimmst.
  • Tief durchatmen: An langen Arbeitstagen kann man gestresst sein. Atme ein paar Mal tief durch. Und denke daran, was du schon alles geschafft hast.
  • Ablenkungen ausschalten: Handy, SMS und E-Mails stören bei der Arbeit und bringen oft zusätzlichen Stress. Man hat das Gefühl, gleich antworten zu müssen. Lege bestimmte Zeiten fest, in denen du antwortest. Schalte in der Zwischenzeit Handy und E-Mails auf lautlos.
  • Pausen machen: Gerade unter Stress machen viele keine Pausen, weil sie sich keine Zeit dafür nehmen. Jeder braucht Zeit für Essen und Trinken. Nach einer Pause bist du erholt und kommst wieder schneller voran. Hunger und Durst erschweren die Arbeit unnötig.
  • Arbeiten verschieben: Du kannst dir die Arbeit einteilen. Es gibt Tage oder Zeiten, an denen man müde ist und weniger weiterbringt. Du kennst dich selber am besten, wann du was am besten erledigen kannst. Du kannst eine wichtige Aufgabe auch auf den nächsten Tag verschieben.
  • Über Stress reden: Jeder steht in der Arbeit manchmal unter Druck und hat Stress. Auch Angst und Überforderung gehören dazu. Diese Gefühle werden stärker, wenn man sie
    verschweigt. Versuche mit deinem Partner, deiner Familie oder Freunden über diese belastenden Gefühle zu reden. Du wirst sehen: Es geht auch anderen so. In manchen Unternehmen stehen dafür auch ein Betriebsarzt oder der Betriebsrat zur Verfügung.
  • Erfolge genießen: Oft hetzt man so von Aufgabe zu Aufgabe, dass man Erfolge gar nicht sieht. Mache dir immer wieder bewusst, was du alles in den letzten Tagen gut geschafft hast. Erkenne auch an, wie viel Energie, Wissen und Einsatz du in die Aufgaben gesteckt hast. Du kannst alles aufschreiben, worauf du stolz bist, und es dir immer wieder durchlesen.

 

Depression besser verstehen

Meine Situation: Anzeichen, Ursachen, Entstehung

Mehr erfahren

Freunde und Familie

Hilfe annehmen, Verständnis haben, miteinander reden

Mehr erfahren

In der Beziehung klarkommen

Mein Partner und ich

Mehr erfahren

 

Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherungsträger (2011): Analyse der Versorgung psychisch Erkrankter, Seite 6, 27, 29.
Abgerufen am 25.02.2020, von https://www.psychotherapie.at/sites/default/files/files/studien/Studie-Analyse-Versorgung-psychisch-Erkrankter-SGKK-HVB-2011.pdf

EM-56651