Wie spreche ich jemanden auf Suizidgedanken an?

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Eine Depression kann das Leben dunkel, bedrückend und beschwerlich erscheinen lassen. In schweren Fällen stellen sich Betroffene deshalb sogar die Frage, ob es sich überhaupt lohnt weiterzuleben. In solchen Situationen ist es wichtig, Anzeichen frühzeitig zu erkennen, und besonders das engere Umfeld ist gefragt, um die richtigen – in diesem Fall lebensrettenden – Maßnahmen ergreifen zu können.

 

Das Leben ist selbst bei voller Gesundheit nicht immer nur schön. In einer Depression verdunkelt sich der Blick auf das Leben noch mehr. Durch die Krankheit kann jede Hoffnung schwinden und das Leben aussichtslos erscheinen. Oft liegt das aber nicht an den tatsächlichen Lebensumständen, sondern vielmehr an der Wahrnehmung der Betroffenen. Eine Depression verzerrt den Blickwinkel: Viele Dinge scheinen auswegloser, als sie es in Wirklichkeit sind. Manche sind so verzweifelt, dass sie an Suizid denken, also daran, sich das Leben zu nehmen.

Ein Gespräch kann das Leben retten

Auch wenn es schwer ist: Man sollte in einer ernsten Krise Gedanken zum Suizid ansprechen – sowohl als Betroffener als auch als Angehöriger. Ein offenes Gespräch kann das Schlimmste verhindern.

Es gibt Warnzeichen für Angehörige

Viele Menschen kündigen ihre Absichten an. Das kann mehr oder weniger deutlich sein. Höre bitte genau hin. Nicht jeder, der an Suizid denkt, tut sich auch etwas an. Es muss aber jeder Gedanke daran ernst genommen werden. Ganz besonders, wenn es schon einen bestimmten Plan gibt. Das zeigt, dass sich erste Gedanken schon weiterentwickelt haben.

Betroffene kündigen ihre Gedanken oft an

Der Gedanke an Suizid entsteht durch tiefe Verzweiflung. Betroffene wägen zwischen dem Wunsch zu leben und zu sterben ab. Sie fühlen sich mehr und mehr eingeengt. In dieser Phase sprechen sie über ihre Verzweiflung und Suizidgedanken.

Schuldgefühle verhindern oft, dass Suizidgedanken direkt angesprochen werden. Deshalb ist es so wichtig, ganz genau hinzuhören.

Fast jedem Suizid gehen Ankündigungen voraus. Deshalb müssen diese Gedanken immer ernst genommen werden. Wer über seine Absichten spricht, denkt über diese Möglichkeit tatsächlich nach. Sätze wie diese sind als Hilferuf zu verstehen.

Sie müssen immer beachtet werden.

  • „Ich will nicht mehr.“
  • „Ich kann so nicht weitermachen.“
  • „Das Leben hat für mich keinen Sinn.“
  • „Wenn das nicht anders wird, passiert etwas.“

Die Situation ist besonders gefährlich, wenn es einen genauen Plan gibt und wenn konkrete Zeitpunkte oder Orte genannt werden.

Betroffene ziehen sich zurück

Vor einem Suizid ziehen sich Betroff ene oft zurück. Sie planen die Tat und bereiten sich darauf vor. Bitte sprich Betroff ene in diesem Fall unbedingt an und biete ihnen Hilfe an.

Betroffene stellen alles infrage

Jeder Mensch hat Bereiche, die ihm besonders wichtig sind: den Partner, die Familie, Freundschaften, Werte oder Aufgaben. Wer sich das Leben nehmen möchte, stellt die wichtigen Teile seines Lebens mehr und mehr infrage.

Betroffenen geht es anscheinend besser

Oft gibt es eine trügerische Ruhe vor dem Sturm. Dafür gibt es spezielle Warnsignale: Den Betroff enen geht es plötzlich grundlos besser. Sie sind entspannt und wirken ruhig. Das alles merkt man deutlich. Angehörige glauben dann oft, dass es ab jetzt besser wird. Die Krise ist aber nicht überwunden. Die Situation spitzt sich weiter zu. Der Hintergrund ist dieser: Wer eine Entscheidung getroff en und einen genauen Plan ausgearbeitet hat, fühlt sich erleichtert.

Weitere Warnsignale sind:

  • Betroffene schreiben ihr Testament.
  • Betroffene verschenken ihren Besitz.
  • Betroffene wollen ein „letztes“ Treffen.

Alle diese Warnsignale müssen bitte unbedingt angesprochen werden.

Suizid ist immer noch eine häufige Todesursache
In Österreich sterben jährlich rund dreimal so viele Menschen durch Suizid wie durch Verkehrsunfälle.
Seit den 1980er-Jahren geht die Zahl der Suizide laufend zurück. Immer weniger Menschen nehmen sich das Leben. Das zeigt, dass immer mehr Menschen rechtzeitig Hilfe bekommen und einen Weg aus der Krise finden.
 
Einen Beitrag dazu leisten:
  • zahlreiche Anlaufstellen,
  • eine bessere Aufklärung und
  • ein offenerer Umgang mit psychischen Erkrankungen in der Gesellschaft.
Du kannst viel bei Gedanken an Suizid tun
  • Nimm Gedanken, Worte und Ankündigungen ernst.
  • Höre genau zu.
  • Sprich die Situation ganz offen an: „Bist du so verzweifelt, dass du daran denkst, dir das Leben zu nehmen?“
  • Sprich deine eigenen Gefühle an: „Ich mache mir Sorgen um dich. Ich möchte dir gerne helfen.“
  • Hole dir Rat oder wende dich an eine Beratungsstelle.
  • Ermutige den Betroffenen, offen zu sprechen und Hilfe anzunehmen.
  • Beachte ganz besonders, ob die Person plötzlich entspannt und erleichtert wirkt. Menschen mit einem genauen Plan sind meist wieder ruhiger. Hier solltest du sofort professionelle Hilfe holen.
Es gibt ein paar Dinge, die man auf jeden Fall vermeiden sollte2:
  • Belehren, moralische Vorträge halten oder Ratschläge geben.
  • Den Betroffenen alleine lassen.
  • Etwas versprechen, das du nicht halten kannst.
  • Sätze wie „Alles wird gut.“, „Das wird schon.“
 

Die wichtigsten Maßnahmen, um das Leben zu retten:

Hinsehen

Ansprechen

Zuhören

Hilfe anbieten

Hilfe holen

 

Rede bitte mit jemandem über deine Verzweiflung
Es fällt niemandem leicht, über seine Ängste, Probleme und Gedanken zu reden. Du denkst an Suizid? Du bist so verzweifelt, dass du nicht mehr weiterweißt? Dann rede bitte mit jemandem. Sage deinem Gegenüber, dass dir das Gespräch jetzt schwerfällt. Bitte die Person, dass sie sich jetzt Zeit nimmt. Jeder kennt Momente, in denen einem die richtigen Worte für Gefühle fehlen. Deswegen haben wir ein paar Vorschläge.
Du könntest so beginnen:
  • „Mir wird das Leben gerade zu viel.“
  • „Es geht mir gar nicht gut.“
  • „Ich habe in letzter Zeit so viele negative Gedanken. Das macht mir Sorgen.“
  • „Ich bin sehr verzweifelt. Kannst du mir helfen?“
  • „Ich denke daran, mir etwas anzutun.“
  • „Ich denke sehr oft daran, mir das Leben zu nehmen. Dieser Gedanke lässt mich nicht mehr los.“
  • „Meine Gedanken machen mir Angst.“
Unter „Mein Netzwerk“ findest du Krisen-Telefonnummern, die rund um die Uhr für dich erreichbar sind.
 
Kriseninterventionszentrum – Information und Beratung:
www.kriseninterventionszentrum.at
Telefonseelsorge:
www.telefonseelsorge.at
Österreichische Gesellschaft für Suizidprävention – Fachinformationen zum Thema Suizid:
www.suizidpraevention.at
Suizidprävention Austria (SUPRA):
www.suizid-praevention.at
Hilfe bei Krisen und Suizidgefährdung im Alter (Kriseninterventionszentrum Wien):
www.krisen-im-alter.at
Suizidpräventionswebsite für junge Menschen (SUPRO Werkstatt für Suchtprophylaxe):
www.bittelebe.at
 

 

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1 Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz (2017): Suizid und Suizidprävention in Österreich: Seite 3.
Abgerufen am 25.02.2020, von https://www.sozialministerium.at/cms/site/attachments/2/3/9/CH4000/CMS1392806075313/suizidbericht_2018_korr2019.pdf
2 Kasper S, Kalousek M, Kapfhammer HP (Hrsg.) Aichhorn W, Butterfield-Meissl C, Fartacek R, Frey R, Gößler R, Haring C, Kapitany T, Kapusta N, Karwautz A, Klier C, Konstantinidis A, Leuteritz I, Marksteiner J, Musalek M, Niederkrotenthaler T, Praschak-Rieder N, Psota G, Rados C, Rainer M, Stein C, Tölk A, Wancata J, Windhager E (2011) Suizidalität. Konsensus-Statement – State of the art 2011. CliniCum neuropsy Sonderausgabe April 2011, S. 13

 

 

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