Mittlerweile geht es dir besser. Du kannst stolz auf dich sein, weil du schon viel geschafft hast. Wir haben ein paar Tipps für dich, damit das auch so bleibt. Das Wichtigste ist: Achte weiter auf deine Kräfte und Grenzen. Mute dir nicht zu viel zu. Du weißt am besten, was dir guttut.

 

Du kannst viel für dich tun

Kleine Schritte bringen dich jeden Tag mehr ins Leben zurück. Nimm dir die Zeit, die du dafür brauchst.

Bewegung und gesunde Ernährung kräftigen dich

Es fällt vielen schwer, sich zu Sport oder zu einer Diät aufzuraffen. Es ist auf jeden Fall einen Versuch wert und jede Reise beginnt bekanntlich mit dem ersten Schritt. Wer regelmäßig Sport treibt, fühlt sich danach wohler. Du wirst mit der Zeit kräftiger und belastbarer. Dein Körpergefühl verbessert sich. Und du tust deinem Körper etwas Gutes. Welche Aktivität hat dir früher einmal Spaß gemacht? Schwimmen, Rad fahren oder Laufen? Oder möchtest du etwas Neues ausprobieren wie Tanzen? Such dir ein Hobby, das dir Freude macht. Falls dir das für den Anfang noch zu viel ist: Auch ein flotter Spaziergang ist Sport. Du kannst im Alltag die Stiegen steigen oder mehr zu Fuß gehen. Das ist besser als gar keine Bewegung. Gesunde Ernährung kann sich positiv auf deine Genesung auswirken: Mit einer Gemüsesuppe oder einem Apfel tust du dir viel Gutes.

Die Therapie geht weiter

Es geht dir gut, weil du deine Therapie einhältst. Bleib bei deiner Therapie, auch wenn es dir besser geht. Die Medikamente müssen eine Zeit lang weiter genommen werden, damit es nicht zu einem Rückfall kommt. Bitte verringere die Dosis der Medikamente nicht alleine und setze die Medikamente nicht selbstständig ab. Besprich bitte alle Veränderungen immer vorher mit dem Arzt.

Die Fähigkeit, gesund zu werden und gesund zu bleiben1,2

Menschen haben die Fähigkeit, Krisen, Erkrankungen und Katastrophen zu überwinden. Es handelt sich um eine Art psychische Widerstandskraft. Diese nennt man auch Resilienz. Du kannst dir darunter eine Art Schutzschild vorstellen. Diese Widerstandskraft trägt jeder in sich. Sie kann verbessert und gestärkt werden. Jeder hat Teile in seiner Persönlichkeit, die stark machen. Im Laufe der Therapie wirst du mehr und mehr davon wiederentdecken. Dadurch bekommst du die Kraft, dich der Depression zu stellen. Generell gilt, dass du all jenes tun sollst, was dich mit Freude erfüllt. Du wirst dadurch rasch wieder einen Zugang zu deinen Fähigkeiten finden. Damit dies gelingt, ist es aber notwendig, dass du deine Therapie konsequent weiterverfolgst. Mit Durchhaltevermögen und Geduld wird sich der Erfolg langfristig einstellen.

Rückfälle kündigen sich an
Eine neue depressive Phase kündigt sich an. Es gibt Anzeichen, die dich früh warnen. Das sind zum Beispiel: Deine Stimmung verändert sich. Deine Gedanken kreisen. Du grübelst mehr. Du schläfst schlechter. Wenn das vermehrt den Alltag bestimmt, sprich bitte mit deinem Arzt oder Therapeuten darüber. Im Lauf der Therapie wirst du diese Anzeichen immer früher erkennen und besser wahrnehmen. So kannst du lernen, einen Rückfall zu verhindern.
Rund die Hälfte der Betroffenen hat im Lauf des Lebens noch einmal eine Depression
Du hältst dich an den Therapieplan und lebst gesund. Trotzdem kann eine Depression wiederkommen. Rund die Hälfte der Betroffenen erlebt im Lauf des Lebens noch eine depressive Phase.
Bei 2 von 10 Patienten kann die Depression länger andauern, also chronisch werden. Auch bei chronischen Depressionen ist ein neuer lebenswerter Alltag möglich. Die Voraussetzung dafür ist, dass du dich weiter mit deinem Arzt besprichst und deine Therapie weiterhin machst.
Wie ich am besten auf Widerstand von Betroffenen antworte
Es ist eine Herausforderung, eine Depression zu überwinden – für die Betroffenen und für die Angehörigen. Wie es einem gerade geht, beeinflusst die Gespräche. Achte auf deine Kräfte und eine gute Stimmung. Ein Therapeut kann dich gut unterstützen, wenn es einmal Streit gibt oder dir die Luft ausgeht.
Dein Angehöriger mag nicht mehr mit dir über sich reden? Das liegt nicht an dir. Das ist ein Teil der Depression. Du kannst dann deinem Angehörigen sagen: „Ich mache mir Sorgen um dich. Ich möchte dich nicht bloßstellen.“ Bleib einfach an der Seite deines Angehörigen. Verständnis und Geduld bringen euch weiter. Signalisiere deine Bereitschaft für Gespräche.

Die psychische Widerstandskraft hat 6 Säulen:

Es ist gut erforscht, mit welchen Eigenschaften und welchem Verhalten Menschen schwere Krisen völlig überwinden. Von diesem „Resilienz-Konzept“ können alle lernen.

1. Säule: zuversichtlich sein
Versuche einen positiven Blick auf dich, die Welt und die Zukunft zu entwickeln. Auch wenn dir das schwerfällt. Durch deine Therapie bist du schon auf dem Weg in eine bessere Zukunft.

2. Säule: akzeptieren, was gerade ist
Akzeptanz bedeutet anzunehmen, was gerade da ist. Das schließt Einschränkungen mit ein. Vielleicht kannst du Frieden mit der Depression schließen. Du wehrst dich dann nicht mehr wütend dagegen und bist nicht mehr so verzweifelt. Das bedeutet nicht, dass du keine Lösungen suchst oder dich damit abfindest. Es bedeutet nur, dass du dir nichts vorwirfst und dir nicht die Schuld gibst.

3. Säule: offen sein für neue Lösungen
Es gibt viele Wege aus einer Depression. Es ist bereichernd, neue Wege auszuprobieren. Das gilt besonders für Anregungen zu deiner Behandlung und Therapie. Das Ziel ist immer, schrittweise gesünder zu werden. Dafür braucht es deine Offenheit.

4. Säule: Verantwortung übernehmen
Die Verantwortung für deine Gesundheit liegt bei dir. Du nimmst deine Therapie wieder voll in deine Hände und damit das Ruder in deinem Leben. Das heißt, dass du immer mitbestimmst und mitmachst. Es ist wichtig, die Verantwortung nicht an Ärzte, Therapeuten oder jemand anderen abzugeben. Damit ist ein großer Schritt getan.

5. Säule: Netzwerke bilden
Ein Team aus Ärzten, Therapeuten und anderen Betroffenen stärkt dich. Jeder hat einen anderen Blickwinkel. Jeder unterstützt dich anders. Netzwerke geben Sicherheit.

6. Säule: Zukunft planen
Ein Blick in die Zukunft fällt dir vielleicht manchmal noch schwer. Gibt es trotzdem etwas, das du gerne einmal machen möchtest? Du kannst schon jetzt planen, auch wenn du dich noch nicht ganz fit fühlst. Damit entsteht Vorfreude auf die Zeit nach der Depression.

 

Du kannst viel tun, um stark zu bleiben
❏ Nimm die Krankheit an: Nicht weil du sie magst, sondern weil es gerade so ist.
❏ Nimm weiterhin Hilfe und Unterstützung an.
❏ Sprich offen über deine Gedanken, Gefühle und Sorgen.
❏ Nimm deine Medikamente regelmäßig ein, auch wenn es dir schon wieder besser geht.
❏ Besuche weiterhin wie geplant deinen Psychiater oder Therapeuten.
❏ Achte auf deine Stimmung und Anzeichen eines Rückfalls.
❏ Führe ein Tagebuch darüber, wie sich alles entwickelt.
❏ Besuche eine Selbsthilfegruppe, wenn dir danach ist.
❏ Pflege Gewohnheiten und Rituale. Sie erleichtern dein Leben und strukturieren den Tag.
❏ Versuche, auf eine gesunde Ernährung zu achten.
❏ Suche dir eine Aktivität, die dir Spaß macht.
❏ Vermeide Alkohol, denn er macht alles meist nur schlimmer.
❏ Besprich deine Ängste und Zweifel offen mit dem Arzt.
❏ Verringere Stress und Kontakt mit Menschen, die bei dir Stress auslösen.
Deutsche Depressionshilfe:
Information zur Vorbeugung von Rückfällen:
https://www.deutsche-depressionshilfe.de/depression-infos-und-hilfe/behandlung/rueckfallprophylaxe
 

 

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1 Kasper S, Haring C, Marksteiner J, Sachs GM, Tölk A, Wrobel M (2008) Das Resilienzkonzept bei psychiatrischen Erkrankungen; CliniCum neuropsy Sonderausgabe November 2008; Seite 2
2 Helmreich, Lieb (2015) Resilienz – Schutzmechanismen gegen Burnout und Depression; InFoNeurologie & Psychiatrie 17 (2) 2015; Seite 1, 6
3 Patientenleitlinie zur S3-Leitlinie Unipolare Depression, Seite 29. Abgerufen am 25.02.2020, von https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/nvl-005p_S3_Unipolare_Depression_2017-05.pdf
 

 

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